Max Taut Aula



62 Jahre nach ihrer Zerstörung ist eine der letzten großen Kriegsruinen in Berlin wieder in historischer Form aufgebaut, die berühmte "Taut-Aula" des Architekten und Städteplaners Max Taut (1884-1967) an der Fischerstraße, Ecke Schlichtallee in Rummelsburg, die dieser unter dem visionären Gesichtspunkt der sozialen und kulturellen Reform als eine "öffentliche Aula" konzipierte. Das Architekturdenkmal gehört zur Max Taut-Schule, einem der größten Schulkomplexe der Weimarer Republik

DIE AULA VON MAX TAUT
Berlin hat 2008 einen neuen kulturellen Anziehungspunkt im Osten der Stadt erhalten: die von Max Taut 1929-32 errichtete, im 2. Weltkrieg zerstörte Aula in Berlin-Lichtenberg, die von dem Architekturbüro Max Dudler denkmalgerecht wieder aufgebaut wurde. Damit wird ein bedeutender kulturpolitischer Ort der Vergangenheit der Öffentlichkeit zurückgegeben und mit neuem Leben erfüllt.
Realisiert wurde der Aufbau im Rahmen des URBAN II-Programms der EU mit ca. 9,2 Millionen EUR unter dem Motto "Barrieren überwinden", womit seit 2002 umfangreiche städtebauliche Maßnahmen zur sozialen, kulturellen und kommunikativen Aufwertung des Stadtteiles vorgenommen werden. Aus dem Jahrzehnte als Ruine leer stehenden Aula-Gebäude entstand in einem Gebiet mit hoher Entwicklungsperspektive eine attraktive multifunktionale Veranstaltungsstätte, ein kulturelles Zentrum der Vermittlung von Kunst, Bildung und kreativem Wissen für Bürger der angrenzenden Bezirke sowie für Kunst- und Kulturinteressierte aus der ganzen Stadt.

Die Aula und ihre Möglichkeiten im Detail

Max Taut (1884 – 1964) gehört wie sein Bruder Bruno Taut zu den Protagonisten der klassischen Moderne und ist herausragender Vertreter des sachlichen "Neuen Bauens" der 20er Jahre des 20. Jahrhundert. Die wieder aufgebaute Aula - von Max Taut bereits als "öffentliche Aula" geplant - ist dabei durch ihre Konstruktion, ihre Form und außerordentliche Farbgebung ein einzigartiges Kunstwerk, das zur vielfältigen Bespielung einlädt. Raffiniert, schlicht, funktional und dynamisch ist sie etwa mit dem Mendelsohn-Bau am Kurfürstendamm, der heutigen Schaubühne, vergleichbar.
Ihr Grundriss hat die Form eines Trapezes, dessen Basis ein Kreisbogen bildet. Man betritt die Aula vom ebenfalls neugestalteten Nöldnerplatz über das Vestibül, eine Eingangshalle von 230 qm, die den Besucher mit der Klarheit und Anmut japanischer Architektur empfängt. Von dort führt der Weg in den Zuschauerbereich auf der Empore bzw. in den großen Saal, der in verschieden große Einheiten unterteilbar ist und mit modernster Technik eine vielfältige Nutzung erlaubt: entweder mittels stufenlos ausfahrbarer Teleskop-Tribünenelemente oder auf horizontalem Boden für Tagungen, Filmvorführungen, Installationen, Symposien, Konzerten, Ballett- und Theateraufführungen. Der große Saal ist mehr als 35m tief, die Aula-Bühne 12m breit. Sie wird durch eine 4m tiefe versenkbare Vorbühne ergänzt. Das Fassungsvermögen beträgt 800 Personen und ist durch Vorhänge auf ein Kabinett für 200 Zuschauer verkleinerbar. Für Gesprächsrunden, Lesungen, Ausstellungen, Empfänge können das Vestibül und das obere zweite Foyer gesondert genutzt werden.
Die Aula verfügt über modernste Licht- und Tonregie. Über den gesamten mittleren Bereich des Saales erstreckt sich eine stufenlos dimmbare Lichtdecke von 1000 verkleideten Neonröhren. Über den Seitengängen wurden die Original-Kugelleuchten Max Tauts installiert.
Ebenfalls bespielbar und attraktiv in der wärmeren Jahreszeit sind die gepflasterten Lichthöfe beiderseits der Aula, zu denen man direkt vom Saal Zugang findet; ferner die hinter der Aula liegenden begrünten Freiflächen mit Cafeteria (z.B. für Festivals und Open-Air-Veranstaltungen),
die ebenfalls restaurierte sog. Kleine Aula (ca. 200 Plätze) und auch der neugestaltete Nöldnerplatz, womit sich das Gesamtensemble als Agora und Resonanzraum neuen urbanen Lebens präsentiert.
Im unmittelbaren Einzugsbereich liegen die Quartiere von Lichtenberg-Mitte, Viktoriastadt und die kulturaktiven Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte. Überregional ist der Standort durch den S-Bahnhof Nöldnerplatz optimal verkehrstechnisch angebunden und z.B. vom westlichen Zentrum um den Zoologoischen Garten in 20 Minuten direkt erreichbar. Parkmöglichkeiten sind ausreichend vorhanden.
Träger der Taut-Aula ist die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, der Verwalter ist die Schulleitung der berufsorientierten Max-Taut-Schule OSZ (Versorgungstechnik) mit heute ca. 3.800 Schülern aus allen Bereichen Berlins.

Max Taut: Frontalansicht der Aula